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CHANGE READY · M2

Moving Target: das bewegliche Ziel

Warum Ziele sich ständig verschieben und wie regelmäßige Selbstverortung mit drei Horizonten aus planloser Sprunghaftigkeit eine souveräne Kalibrierung macht.

Prof. Dr. Alexander HoltermannStand: 6. Juni 20263 Min Lesezeit

Die erste operative Dimension des 5-M-Modells heißt Moving Target. Ihr Kerngedanke ist unbequem, aber befreiend: Das Ziel steht nicht still. Was im Januar richtig war, kann im Juni überholt sein, weil sich Markt, Technik oder Regeln verschoben haben. Wer an einem einmal gesetzten Plan festhält, verfolgt am Ende ein Ziel, das es so nicht mehr gibt. Moving Target verlangt deshalb keine bessere Planung, sondern eine andere Gewohnheit: die regelmäßige, ehrliche Neuverortung.

Drei Horizonte der Selbstverortung

Das zentrale Werkzeug der Dimension ist die strukturierte Selbstverortung über drei Zeithorizonte. Sie hält den Blick zugleich konkret und weit.

Naher Horizont: Was passiert gerade, jetzt, in dieser Woche? Hier geht es um das unmittelbar Sichtbare und Dringliche.

Mittlerer Horizont: Was zeichnet sich für das laufende Quartal und Jahr ab? Hier werden Entwicklungen erkennbar, die noch nicht akut, aber schon greifbar sind.

Ferner Horizont: Welche langfristigen Trends verändern das Spielfeld? Hier blickt man über den Alltag hinaus auf das, was die eigene Branche grundlegend prägen wird.

Die drei Horizonte gemeinsam verhindern zwei typische Fehler: sich allein im Tagesgeschäft zu verlieren oder in abstrakten Zukunftsvisionen den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Kalibrieren statt Zickzack

Wer Ziele anpasst, läuft Gefahr, sprunghaft zu wirken. Genau hier liegt eine wichtige Unterscheidung.

Kalibrieren: Begründetes Nachjustieren auf einer erkennbaren Linie. Es gibt einen roten Faden, jede Anpassung folgt aus der veränderten Lage und lässt sich erklären.

Zickzack: Orientierungsloses Hin und Her ohne Zusammenhang. Es verunsichert die Belegschaft, weil niemand erkennt, wohin die Reise geht.

Der Unterschied entscheidet darüber, ob eine Zielanpassung als Souveränität oder als Planlosigkeit erlebt wird. Deshalb gehört zur Kalibrierung immer die Erklärung: Wird der Belegschaft begründet, warum sich das Ziel verschoben hat, erleben die Mitarbeiter die Anpassung als bewusste Reaktion — nicht als Beweis, dass die Führung den Überblick verloren hat.

Der richtige Takt

Damit die Selbstverortung nicht im Alltag versandet, braucht sie einen festen Rhythmus. Bewährt hat sich der Quartalstakt: oft genug, um beweglich zu bleiben, selten genug, um nicht in ständige Hektik zu verfallen. Genau hier greift Moving Target mit der Dimension Momentum ineinander — der verlässliche Takt ist das Uhrwerk, das die regelmäßige Neuverortung antreibt.

Glossar

Moving Target: Die Dimension des beweglichen Ziels — die Einsicht, dass sich Ziele laufend verschieben und regelmäßige Neuverortung nötig ist.

Selbstverortung: Die strukturierte, regelmäßige Standortbestimmung einer Organisation über drei Zeithorizonte.

Drei Horizonte: Der nahe (jetzt), der mittlere (Quartal/Jahr) und der ferne (langfristige Trends) Zeithorizont der Selbstverortung.

Kalibrieren: Begründetes Nachjustieren der Ziele auf einer erkennbaren Linie — das souveräne Gegenteil von planlosem Zickzack.

Häufige Fragen

Heißt Moving Target, dass man nie ein festes Ziel haben darf?

Nein. Es geht nicht um Ziellosigkeit, sondern um die Bereitschaft, ein Ziel zu überprüfen und begründet anzupassen, wenn sich die Lage ändert. Der stabile Kern bleibt das Warum aus dem Goldenen Kreis; beweglich sind das Wie und das Was.

Wie oft sollte man sich neu verorten?

In der Regel quartalsweise. Dieser Takt ist häufig genug, um nicht von Entwicklungen überrascht zu werden, und selten genug, um nicht in dauerhafte Unruhe zu verfallen. Entscheidend ist die Verlässlichkeit, nicht die exakte Zahl.

Wie verhindere ich, dass Anpassungen als Planlosigkeit wirken?

Indem Sie jede Anpassung erklären. Eine begründete Kalibrierung mit erkennbarem rotem Faden wird als souveräne Reaktion verstanden. Sprunghaftes Ändern ohne Erklärung dagegen erzeugt genau den Eindruck von Planlosigkeit, den Sie vermeiden wollen.

Wie hängt Moving Target mit den anderen Dimensionen zusammen?

Eng. Momentum liefert den verlässlichen Takt, in dem die Neuverortung stattfindet. Mental Safety sorgt dafür, dass die Verortung ehrlich ist, statt zur Schönfärberei zu werden — denn nur in einem sicheren Klima traut man sich zuzugeben, dass das alte Ziel nicht mehr stimmt.

Quellen & Zitate

Primär-Quellen dieses Artikels

  • Alexander Holtermann — Digitale Realität (Dimension Moving Target)
    1. Januar 2025