Banken sind die größte Verpflichteten-Gruppe nach GwG und gleichzeitig die mit der reifsten Compliance-Praxis. Operative AML-Compliance umfasst hier von Onboarding über laufendes Monitoring bis zur BaFin-Sonderprüfungs-Vorbereitung — und ist in einer Großbank schnell ein dreistelliger Personalstand.
Organisations-Struktur
Eine typische Banken-AML-Compliance hat folgende Bereiche:
- AML Onboarding für Neukunden-KYC
- AML Monitoring für laufende Transaktions-Überwachung
- AML Investigations für Alert-Triage und Verdachtsmeldungen
- AML Policy & Training für Richtlinien und Mitarbeiter-Schulungen
- AML Technology für IT-Systeme und Modell-Risiko-Management
- Geldwäsche-Beauftragter als gesamtverantwortliche Person nach § 7 GwG
In Großbanken sind diese Funktionen über eine drei-Linien-Struktur organisiert: First Line (Geschäfts-Bereiche mit eigenen AML-Verantwortlichen), Second Line (zentrale AML-Compliance), Third Line (Interne Revision).
Onboarding privat- und firmen-Kunden
Privatkunden
Standard-Onboarding läuft heute fast vollständig digital. Schritte:
- Identifizierung über Video-Ident oder POSTIDENT mit Personalausweis-Vorlage
- Adress-Verifikation durch externe Datenbank-Abfrage
- PEP-Screening gegen kommerzielle Datenbanken (World-Check, LexisNexis)
- Sanctions-Screening gegen EU/UN/OFAC-Listen
- Risiko-Klassifizierung (niedrig/mittel/hoch) basierend auf Kunden-Profil
Bei niedrigem Risiko ist der Vorgang in wenigen Minuten abgeschlossen. Bei mittlerem oder hohem Risiko greift Enhanced Due Diligence: zusätzliche Belege, Quellen-Nachweise, Eskalations-Genehmigung.
Firmenkunden
Firmenkunden-Onboarding ist deutlich aufwendiger:
- Handelsregister-Auszug und gegebenenfalls Gesellschaftsvertrag
- UBO-Ermittlung über Transparenz-Register-Abfrage und Eigen-Erklärung
- PEP- und Sanctions-Screening für die UBO und die Geschäftsführung
- Vorlage von Jahresabschlüssen und Geschäfts-Beschreibung
- Klärung der Geschäfts-Beziehung (Hauptkonto, Devisengeschäft, Trade Finance)
- Risiko-Bewertung mit branchenspezifischen Indikatoren
Bei komplexen Konzernstrukturen oder Auslands-UBOs kann das Onboarding mehrere Wochen dauern.
Konto-Lifecycle und laufendes Monitoring
Nach erfolgreichem Onboarding läuft das Konto im laufenden Monitoring:
- Transaction Monitoring über automatisierte Systeme (Standard: SAS, Actimize, FICO)
- Periodic Reviews alle 1 bis 5 Jahre je nach Risiko-Klasse (jährlich für Hochrisiko, 3-Jahres-Rhythmus für mittel, 5 Jahre für niedrig)
- Event-Triggered Reviews bei wesentlichen Änderungen (UBO-Wechsel, Konzernspaltung, Geschäfts-Modell-Änderung)
- Sanctions-Rescan bei jeder Listings-Aktualisierung
Transaction-Monitoring-Systeme
Standard-Architektur:
- Daten-Aggregation aus Kern-Banken-Systemen, SWIFT-Strömen, Bargeld-Transaktionen
- Regel-Engine mit hunderten regulatorischen und institutsspezifischen Regeln
- ML-Stufe zur Risiko-Scoring und False-Positive-Reduktion (in modernen Architekturen)
- Alert-Triage-Workflow zur strukturierten Bearbeitung
- Case-Management für die Verdachtsmeldungs-Entscheidung
Alert-Volumina bei Großbanken: täglich tausende Alerts, von denen typisch 1 bis 5 Prozent zu echten Verdachtsmeldungen führen.
Korrespondenzbank-Praxis
Korrespondenz-Beziehungen sind in der AML-Aufsicht ein eigenes Thema. Die Wolfsberg-DDQ-Methodik ist Industry-Standard:
- Anfrage des CBDDQ bei jeder Respondent-Bank, jährliche Aktualisierung
- Risiko-Klassifizierung der Respondent-Bank basierend auf Jurisdiktion, Geschäfts-Modell und Compliance-Reife
- Enhanced Due Diligence für Respondent-Banken in Hochrisiko-Jurisdiktionen
- Transaction-Monitoring auf Korrespondenz-Konten mit angepassten Regeln
Bei FATF-Watch-List-Listings ist die Beendigung der Korrespondenz-Beziehung regulatorisch fast immer geboten.
Trade-Finance-Workflows
Trade Finance ist AML-typisch komplex. Standard-Compliance-Vorgänge:
- Sanctions-Screening der Trade-Parteien (Importeur, Exporteur, Banken-Kette)
- Dual-Use-Goods-Prüfung (kann das Gut für militärische Zwecke verwendet werden?)
- Pricing-Plausibilität (überschreitet der Rechnungsbetrag das Markt-Niveau erheblich?)
- Geographic-Risk-Bewertung (FATF-Listings, EU-Hochrisiko-Drittländer)
- Letter-of-Credit-Bewertung auf TBML-Indikatoren
Die deutsche Außenwirtschafts-Aufsicht durch das BAFA kommt hinzu, mit eigenen Genehmigungs-Pflichten für sensible Güter.
Private-Banking-EDD
Private-Banking-Kunden sind regelmäßig Hochrisiko-Kategorie. Pflicht-EDD:
- Source-of-Wealth dokumentieren (woher kommt das Vermögen)
- Source-of-Funds für jede Großtransaktion dokumentieren
- Beneficial-Ownership auch bei Trust- und Stiftungs-Strukturen klären
- PEP-Status der Familie und nahestehender Personen prüfen
- Geographic-Risk der Vermögens-Lage und Konto-Verbindungen bewerten
Bei Private-Banking-Kunden ist die Verdachtsmeldungs-Quote überproportional hoch — nicht weil Kunden generell verdächtig wären, sondern weil die Vermögens-Volumina und Konto-Bewegungen häufiger Alert-Schwellen überschreiten.
Audit-Vorbereitung für BaFin-Sonderprüfungen
Vor einer angekündigten BaFin-Sonderprüfung läuft regelmäßig eine vorgezogene interne Prüfung:
- Compliance-Dokumentation auf Vollständigkeit prüfen
- Risikoanalyse-Aktualität verifizieren
- Schulungs-Nachweise für alle Mitarbeiter zusammenstellen
- Verdachtsmeldungs-Statistik für den Prüfungs-Zeitraum aufbereiten
- Auskunfts-Personen vorbereiten (Geldwäsche-Beauftragter, IT, Onboarding-Leiter)
Während der Prüfung wird der Geldwäsche-Beauftragte zur Hauptansprechperson. Bei sensiblen Themen werden externe Anwälte als Begleiter eingeschaltet.
Begriffe
Three Lines of Defense: Standardmodell der Compliance-Organisation mit operativen Bereichen (First Line), zentraler Compliance (Second Line) und Interner Revision (Third Line).
EDD (Enhanced Due Diligence): Verschärfte Sorgfaltspflichten bei erhöhtem Risiko.
Source of Wealth/Funds: Dokumentation der Vermögens-Herkunft beim Kunden, Pflicht in Private-Banking-EDD.
Häufige Fragen
Wie viele AML-Mitarbeiter hat eine Großbank?
Bei einer deutschen Großbank typisch 300 bis 1.000 Mitarbeiter über alle drei Linien. Internationaler Vergleich: HSBC hat weltweit über 6.000 AML-Mitarbeiter.
Wie hoch sind die jährlichen AML-Kosten einer Großbank?
Branchen-Schätzungen 100 bis 500 Mio. Euro pro Jahr für deutsche Großbanken, inklusive IT-Systeme und externe Berater.
Was passiert bei einem nicht-bestandenen Periodic Review?
Wenn der Kunde nicht innerhalb der Frist die geforderten aktualisierten Belege liefert, wird die Geschäfts-Beziehung in die Eskalations-Stufe übergeben. Endpunkt ist regelmäßig die Beendigung der Beziehung — mit den entsprechenden Tipping-Off-Risiken.
Sind Trade-Finance-Geschäfte besonders riskant?
Ja, deutlich. Trade Finance hat strukturell hohe Komplexität, lange Wertschöpfungs-Ketten und Möglichkeit zu Over-/Under-Invoicing. BaFin-Sonderprüfungen 2024/25 hatten Trade Finance als Schwerpunkt.
Welche Rolle spielt der Geldwäsche-Beauftragte operativ?
Er ist gesamtverantwortlich nach § 7 GwG, hat aber regelmäßig kein operatives Linien-Mandat. Seine Funktion: Standards setzen, Risikoanalyse verantworten, BaFin-Schnittstelle, Verdachtsmeldungs-Freigabe.
Wie unterscheidet sich Direct Banking von klassischem Banking aus AML-Sicht?
Direct Banks (ohne Filialen) haben höhere Risiken im Frontline-Bereich, weil der direkte Mitarbeiter-Kunden-Kontakt fehlt. Sie kompensieren durch stärkeres digitales Monitoring und engere Identifizierungs-Verfahren.
Stand: 28. Mai 2026. Gesetzliche Regelungen ändern sich. Für rechtsverbindliche Auskünfte konsultieren Sie eine Fachperson.
Primär-Quellen dieses Artikels
- § 25h KWG (Besondere Organisationspflichten)15. Dezember 2024Quelle öffnen
- BaFin MaRisk AT 4.4 (Compliance)23. August 2023
- Wolfsberg CBDDQ Version 1.415. Februar 2022