DNFBPs — Designated Non-Financial Businesses and Professions — sind die Gatekeeper-Berufe der AML-Compliance. Sie helfen bei der Gestaltung legaler Strukturen, die ohne sie nicht zu erreichen wären. Damit sind sie strukturell exponiert für Wäsche- und Umgehungs-Konstruktionen.
Anwälte und Anderkonten
Anwälte fallen nach § 2 Abs. 1 Nr. 10 GwG unter die Pflichten, aber nur für bestimmte Tätigkeits-Bereiche:
- Immobilien-Geschäfte für Mandanten
- Vermögens-Verwaltung
- Eröffnung und Verwaltung von Konten und Anderkonten
- Gesellschafts-Gründung und -Verwaltung
Außerhalb dieser Kategorien — typische Litigation, Familien-Recht, Straf-Verteidigung — gilt das GwG nicht. Die berufliche Schweigepflicht nach § 53 StPO ist primär; sie weicht der Meldepflicht nur in den GwG-erfassten Tätigkeits-Bereichen.
Anderkonten-Risiko
Anwalts-Anderkonten sind Treuhand-Konten, auf denen Anwälte für Mandanten Gelder verwalten. Sie sind ein klassisches Wäsche-Vehikel:
- Bankkonten unterliegen vollem Bank-Compliance
- Anderkonten beim Anwalt sind dem Bank-KYC nur als Anwalts-Konto sichtbar
- Die Mandanten und Transaktions-Zwecke sind für die Bank nicht erkennbar
- Der Anwalt ist der einzige Compliance-Filter
Diese Asymmetrie hat zu zahlreichen FATF-Kritiken geführt. Die deutsche Praxis arbeitet mit erhöhten Sorgfaltspflichten der Anwalts-Banken: Anderkonto-Bewegungen werden mit besonderem Monitoring belegt, ungewöhnliche Volumina lösen Aufklärungs-Pflichten beim Anwalt aus.
Schweigepflicht versus Meldepflicht
Die Konflikt-Linie zwischen § 53 StPO und § 43 GwG ist nach § 2 Abs. 4 GwG geregelt: Für die GwG-erfassten Tätigkeits-Bereiche besteht Meldepflicht trotz Schweigepflicht. Der Anwalt muss melden, darf den Mandanten aber nicht informieren (Tipping-Off, § 47 GwG).
Praktisch wenden Anwälte das in unklaren Fällen restriktiv an. Die Berufskammern haben Leitfäden veröffentlicht — die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) regelmäßig — die die Schwellen interpretieren.
Notare und das DONot-Verfahren
Notare sind nach § 2 Abs. 1 Nr. 11 GwG verpflichtet, in der Praxis fast ausschließlich für Immobilien-Geschäfte. Bei Immobilien-Beurkundungen prüft der Notar UBO, Kaufpreis-Plausibilität und Geld-Herkunft.
Das DONot-Verfahren (Datenservice-Online-Notare) ist die Standard-Meldewesen-Plattform der Bundesnotarkammer. Bei verdachtsrelevanten Sachverhalten meldet der Notar direkt über DONot — bypassing der FIU. Die Bundesnotarkammer leitet die Meldung an die FIU weiter, gegebenenfalls mit Ergänzungen.
Immobilien-Trigger
Standard-Indikatoren-Liste für Notar-Meldungen bei Immobilien-Geschäften:
- Cash-Anteil über 10.000 Euro
- Käufer ohne klaren wirtschaftlichen Hintergrund
- Mehrfache UBO-Wechsel binnen 12 Monaten
- Erheblich unter Markt-Wert liegender Kaufpreis
- Käufer mit Auslands-Adresse in Hochrisiko-Drittländern
- Kauf über Mantelgesellschaft ohne erkennbarer Substanz
Notare arbeiten mit einer Indikatoren-Checkliste, die in der GwGMeldV-Immobilien-2020 konkretisiert ist.
Steuerberater
Steuerberater fallen nach § 2 Abs. 1 Nr. 12 GwG unter die Pflichten — analog zu Anwälten nur für bestimmte Tätigkeits-Bereiche. Klassische Buchhaltungs- und Steuer-Erklärungs-Mandate sind nicht erfasst.
Risiko-Bereiche:
- Gesellschafts-Gründungen mit Strohmann-Strukturen
- UBO-Verschleierung über Treuhand-Konstruktionen
- Inkonsistenz zwischen deklariertem Einkommen und Lebenshaltungs-Volumina
Die Berufskammer ist die Bundes-Steuerberater-Kammer (BStBK), die Aufsicht teilt sich mit den Steuerberater-Kammern der Länder.
Wirtschafts-Prüfer
Wirtschafts-Prüfer fallen nach § 2 Abs. 1 Nr. 13 GwG unter die Pflichten — wieder begrenzt auf bestimmte Bereiche. Hauptrisiko: Jahresabschluss-Prüfungen bei Mandanten mit verdachtigen Bilanz-Strukturen.
Die Wirtschafts-Prüfer-Kammer (WPK) ist die Aufsichts-Behörde. Sie hat 2023/24 mehrere AML-Sonderprüfungen bei den großen Prüfungs-Gesellschaften durchgeführt.
Immobilien-Makler
Immobilien-Makler sind nach § 2 Abs. 1 Nr. 14 GwG verpflichtet — für alle Mandate. Im Gegensatz zu Anwälten gibt es keine Schwellen-Beschränkung.
Standard-Pflichten:
- KYC bei Anwerbung des Mandanten
- Plausibilitäts-Prüfung Käufer-Hintergrund
- Verdachtsmeldung an die FIU bei begründetem Verdacht
Die Aufsicht liegt bei den Gewerbe-Aufsichts-Behörden der Länder und ist strukturell schwach. Mehr-Bundesländer-Vergleiche zeigen eine sehr unterschiedliche Vollzugs-Praxis. NRW und Bayern führen, andere Länder haben praktisch keine systematische Aufsicht.
Berufskammer-Aufsicht
Anwälte, Notare, Steuerberater und Wirtschafts-Prüfer werden über ihre Berufskammern aufsichtlich begleitet. Die Kammern haben:
- Disziplinar-Kompetenz für Berufs-Verstöße
- Stichproben-Audits bei Mitgliedern
- Compliance-Leitfäden und Schulungs-Angebote
- Direkt-Schnittstelle zur FIU für Verdachtsmeldungen
Die Effektivität schwankt erheblich nach Kammer und Bundesland.
Berliner-Clan-Lehrgeschichte
Die Berliner Clan-Strukturen sind ein Lehrbeispiel für die DNFBP-Schwäche im deutschen System. Über Jahre hatten organisierte kriminelle Familien Immobilien-Portfolios im hohen zweistelligen Millionen-Bereich aufgebaut — über Notar-Beurkundungen, Anwalts-Anderkonten und Steuerberater-Gestaltungen.
Erst die Selbstständige Einziehung nach § 76a StGB mit Beweislast-Umkehr (Reform 2017) machte die Beschlagnahmung möglich. Bis Anfang 2025 wurden in Berlin allein rund 1,5 Mrd. Euro beschlagnahmt.
Die Lehre: ohne Beweislast-Umkehr ist die Aufdeckung organisierter Strukturen über DNFBPs systemisch schwer.
Begriffe
DNFBP: Designated Non-Financial Businesses and Professions — FATF-Sammelbegriff für die Gatekeeper-Berufe.
Anderkonto: Treuhand-Konto eines Anwalts oder Notars, auf dem Mandanten-Gelder verwaltet werden.
DONot: Datenservice-Online-Notare — Melde-Plattform der Bundesnotarkammer.
§ 76a StGB: Selbstständige Einziehung mit Beweislast-Umkehr — wer Wertgegenstände nicht plausibel als legal erlangen erklären kann, muss sie abgeben.
Häufige Fragen
Müssen Anwälte alle Mandate melden?
Nein. Nur für die in § 2 Abs. 1 Nr. 10 GwG genannten Tätigkeits-Bereiche besteht Meldepflicht. Litigation, Familien-Recht, Straf-Verteidigung sind nicht erfasst.
Schützt die Schweigepflicht vor Strafverfolgung?
In den GwG-erfassten Tätigkeits-Bereichen nein — die Meldepflicht überlagert die Schweigepflicht. Außerhalb ja.
Wer kontrolliert Immobilien-Makler?
Die Gewerbe-Aufsichts-Behörden der Länder. Die Vollzugs-Praxis ist sehr uneinheitlich.
Ist DONot Pflicht oder freiwillig?
Pflicht für Notare bei Immobilien-Geschäften nach GwGMeldV-Immobilien-2020.
Können Steuerberater zur Beihilfe der Geldwäsche verurteilt werden?
Ja. Wenn der Steuerberater wissentlich oder leichtfertig zur Verschleierung beigetragen hat, ist § 261 StGB erfüllt. Die Beweisführung ist allerdings schwer.
Hat die EU-AMLR Auswirkungen auf DNFBPs?
Ja. AMLR vereinheitlicht den DNFBP-Verpflichteten-Kreis EU-weit ab Juli 2027. Die nationalen Sonder-Regelungen (Schweigepflicht-Schwellen, Berufskammer-Aufsicht) bleiben weitgehend bestehen — aber mit AMLA-Aufsichts-Standard.
Stand: 28. Mai 2026. Gesetzliche Regelungen ändern sich. Für rechtsverbindliche Auskünfte konsultieren Sie eine Fachperson.
Primär-Quellen dieses Artikels
- § 2 Abs. 1 Nr. 10–14 GwG (DNFBPs)15. Dezember 2024Quelle öffnen
- § 53 StPO (Berufliche Schweigepflicht)15. Dezember 2024Quelle öffnen
- GwGMeldV-Immobilien1. Oktober 2020